Gut für den Rücken, schlecht für die Nase – Störgeruch in Physiotapes identifiziert

Pressemitteilung / 19.6.2018

Physiotapes verströmen oft einen eigenartigen Geruch. Wodurch dieser Störgeruch verursacht wird, hat ein Forscherteam des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV aufgedeckt. Bei den Untersuchungen wurden die für den Geruch verantwortlichen Substanzen erstmals identifiziert, einige davon könnten nicht nur geruchlich problematisch sein. Die Ergebnisse liefern die Basis, den Störgeruch deutlich zu verringern oder komplett zu vermeiden.

Blaues Physiotape
© Fraunhofer IVV

Den Geruch von Physiotapes hat ein Forscherteam am Fraunhofer IVV entschlüsselt.

Prof. Andrea Büttner, stellvertretende Institutsleiterin und Leiterin der Analytischen Sensorik im Fraunhofer IVV, ist mit ihrem Forscherteam bereits einigen Gerüchen auf die Spur gekommen. Dabei spielt es methodisch keine Rolle, ob es sich beispielsweise um Fehlgerüche bei Verpackungen, Spielzeugen oder Physiotapes handelt: Prinzipiell gehen die Forscher immer erst mal ihrer Nase nach. Damit die Spurensuche gelingt, werden aber nicht nur die im Institut zur Verfügung stehenden Methoden und Analysegeräte wie Gaschromatographie und Massenspektrometrie eingesetzt, sondern auch neue Analyseverfahren entwickelt.
 

Geruchskomponenten von kinesiologischen Tapes entschlüsselt

Philipp Denk hat nun im Rahmen seiner Promotionsarbeit erstmals vier verschiedene Kinesiologie-Tapes analysiert. Ob zur Selbstanwendung oder im Rahmen einer Physiotherapie, dienen sie der Linderung von Verspannungen und Schmerzen. Das selbstklebende Anbringen erlaubt eine einfache Handhabung direkt auf der Haut beispielsweise an Schulter- und Nackenpartie, Rücken, Knien und Gelenken. So sehr sie auch helfen, manchmal trübt die Wohltat ein Störgeruch. Mitunter treten auch Hautreizungen auf.
 

Bekannte und bisher nicht bekannte Substanzen gefunden

Kinesiologie-Tapes bestehen aus den drei Bestandteilen Baumwolle, Elastan und Acrylatklebstoff. »In unseren Analysen haben wir insgesamt 31 geruchsaktive Substanzen gefunden. Darunter sind auch Substanzen, die bereits im Zusammenhang mit Acrylatklebstoff bekannt sind, wie 2-Ethyl-1-hexanol«, erläutert Philipp Denk. Nun konnte er in seinen Untersuchungen eindeutig zeigen, dass diese Substanz gerade bei den Kinesiologie-Tapes ausschlaggebend den Geruch beeinflusst. Laut Sicherheitsdatenblatt kann 2-Ethyl-1-hexanol auch Hautreizungen verursachen. »Weitere für den Störgeruch verantwortlichen Substanzen konnten wir mit unserer Methodik erstmals identifizieren. Dazu zählen unter anderem verschiedene Phenyltoluene«, ergänzt Philipp Denk. Inwiefern die gefundenen Substanzen in ihren jeweiligen Mischungen potentiell auf den Menschen, neben ihrem intensiven Geruch, wirken, muss nun in weiterführenden Untersuchungen geklärt werden. In jedem Fall sind die Ergebnisse jedoch die Basis zur Entwicklung von Vermeidungsstrategien. Denn eine Reduktion oder der Ersatz dieser Substanz könnte auch die Hautfreundlichkeit der Produkte erhöhen.

 

Weitere Informationen

Ansprechpartner im Fraunhofer IVV ist Philipp Denk, Tel.: +49 8161 491-318, philipp.denk@ivv.fraunhofer.de.

 

Wissenschaftliche Veröffentlichung:

P. Denk, A. Buettner. Identification and quantification of glue-like off-odors in elastic therapeutic tapes.